Eine Kolumne von Maya-Carina Röhe  zur Theateraufführung vom 29. 08. 2016

Kassel, 29. September 2016
Folgt man der klassischen geisteswissenschaftlichen Semiotik, so entstehen Mythen immer dann, wenn ein legendenhafter Stoff wieder und wieder und aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Zugrunde liegt meist ein geschichtlicher Kern von Tatsachen, der aber im Fall der zur Legende gewordenen Persönlichkeit von so vielen Geschichten, Anekdoten und sowohl Freude wie Sehnsucht auslösenden Aperçus umwoben ist, dass die Memoria begonnen hat, ein Eigenleben zu führen. Wer wollte das im Fall Matt Shepards bestreiten? In unserem Fall hört sich der „Kern von Tatsachen“, auf die wir uns unverrückbar berufen können, wie folgt an:

Im Frühsommer des Jahres 1993 brachte ein Flugzeug eine Mutter und ihren 16-jährigen Sohn von Wyoming nach Zürich. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser ganz gewöhnliche Überseeflug nicht nur Geschichte schrieb, sondern den Beginn eines Weges darstellte, der sowohl den ahnungslosen Protagonisten der späteren Legendenbildung als auch seine zukünftigen europäischen Gastgeberer, Freunde und Zeitzeugen hier auf unserem alten Kontinent weiter führen würde als sich die Beteiligten auch nur in ihren kühnsten Träumen ausmalen konnten. Der von Anekdoten, Geschichten, Begebenheiten, einer verblüffenden Reiseroute und nicht zuletzt eigenen kulturellen Kreationen (u.a. Gedichte in italienischer und deutscher Sprache) gepflasterte „Weg Matt Shepards“ durch Europa, von den Britischen Inseln bis nach Ungarn, von Deutschland über die Schweiz und Österreich nach Italien, machte Shepard zwischen 1993 und 1995 bereits zu einer Art „lebender Legende“ im kollektiven Gedächntnis der damaligen queeren Gemeinde – ja, nicht nur Deutschlands oder Kassels – sondern tatsächlich Europas! Der stets in fünf Sprachen (!) fließend parlierende kunstsinnige Kulturreisende, Dichter, angehende Student und zukünftige Menschenrechtsaktivist, sozusagen der „transatlantisch-queere Entecker Europas“, hinterließ auf seinem Weg vom westlichen Rand Europas bis in die Ebenen Ungarns hinein nicht nur Perlen eigenen Kulturschaffens – wie so manches selbst verfasste Gedicht – sondern verstand es auch, an all diesen Orten in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien, Ungarn usw. gewissermaßen als queerer Vertreter amerikanischer Welterfahrung aufzutreten und in dieser Rolle – hierbei
stets von einer Wolke Paul Gaultier Colognes im dunkelblonden Haarschopf umwabert – seine Gastgeber in seinen Bann zu schlagen.

Seit den Tagen Christopher Isherwoods hatte kein queerer Beobachter aus Übersee mehr Europa, seine Landschaften und Bewohner, seine kulturellen Eigenheiten und kulturgeographischen Gegebenheiten in dieser Weise erfahren, denkend und schauend durchwandert und somit für seine amerikanische Generation junger Queers erfahrungsweltlich „wiederentdeckt“. Unklar muss freilich bleiben, ob der mit allen Wassern kulturanthropologischer Expertise gewaschene Shepard entweder ein besonderes Händchen dafür hatte, „Schicksalsorte“ der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte hierbei mit eigens an diesen Orten erlebten Geschichten und Anekdoten zu verbinden, oder ob dieser Gleichklang von Shepard-Memoria und Geistesgeschichte Europas einen glücklichen Zufall der Zeitgeschichte darstellt. Trifft letzteres zu, so ist es im Falle Shepards von der Legende zum Mythos wahrhaftig nicht mehr weit. Shepard wäre dann – im Sinne der Queer Theory gelesen – eine Art US-amerikanischer Herakles, der auf den Spuren der europäischen Kulturgötter und -titanen stellvertretend für seine Generation amerikanischer junger Schwuler (der zwischen 1965 und 1980 Geborenen) aufbricht, um im fernen Osten „die Grenzen der Welt“ zu finden und dabei Europa denkend zu erkunden. Vergegenwärtigt man sich diese frappierenden Aperçus in iher Gesamtheit,  so vermag den Rezipierenden durchaus ein Schauer über den Rücken zu laufen: So ist Montagnola im Schweizer Tessin, unweit des Luganer Sees gelegen, der Ort, an dem Shepard zwei Jahre zur Schule ging, ein Schicksalsort deutscher Literaturgeschichte ersten Ranges: hier verbrachte nicht nur Hermann Hesse den größten Teil seines Lebens, hier lebten auch Katja und Thomas Mann im Jahre 1933 einige Monate lang, nachdem sie vor den Nazis aus Deutschland hatten fliehen müssen. Das Palais, in dem die Manns damals residierten, liegt nur wenige Meter von dem Schulpalais entfernt, in dem Shepard zwei Jahre lang lebte; er der Freund deutscher Sprache und Literatur, der sicherlich Mann und Hesse ebenso gut kannte wie Goethe, Schiller oder Lessing. Pikanterweise gilt heutzutage ja auch der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann als prominente Persönlichkeit queerer, schwuler Geschichte. Auch ging Matt Shepard auf Goethes und Schillers Spuren in Weimar, wo er sich mehrere Blätter von dem berühmten Ginkobaum vor dem Fürstenhaus gegenüber der Anna-Amalia-Bibliothek abbrach und fortan als Erinnerung in seiner Geldbörse bewahrte, auf den Bahnen dieser Verzahnung von mit zahllosen Anekdoten angereicherter eigener Lebensgeschichte und Kulturgeschichte Europas. Dass andere von Shepard gerne aufgesuchte und unter queerem Vorzeichen „wiederentdeckte“ Orte wie Rom, Venedig, Florenz, Budapest und London (man denke nur an Oscar Wilde!) kulturgeographisch selbstredend für sich selbst stehen, bedarf in diesem Zusammenhang keines weiteren Belegs. Auch dass Zürich, welches Shepard oft besuchte und wo er viele Freunde und Verehrer gewann, eines der geschichtlichen Zentren der älteren Schwulenbewegung Europas war und noch immer ist, braucht nicht weiter erklärt zu werden. Shepard und der Edel stein an der Limmat! Und das alles soll nur Zufall gewesen sein?

Und so hat sich Shepard in der Erinnerung des queeren Europas jener Zeit verewigt: Als der rastlos den Kontinent Durcheilende, der „Vielherumgekommene“, ein vor Geist, Witz und Kunstsinn sprühender Zeitgenosse mit geschliffener Sprache, der sowohl Deutsche als auch Italiener, Österreicher, Schweizer, Franzosen und Engländer in ihrer Muttersprache anzusprechen wusste; ein sich für Menschenrechte einsetzender, politisch höchst reger und aufgeweckter Denker von hohen Graden, der mit seiner Philanthropie und seinem Bildungshorizont alle beeindruckte und zahllose Erinnerungen an zahllosen Orten in Europa hinterließ. Endgültig verblüfften die Europäer dann aber Shepards Reisen in den Orient, über die Grenzen Europas hinaus, nach Saudi-Arabien, in den Irak, nach Syrien. „Nach Osten, immer nach Ost‘, dort muss die Küste sich zeigen!“, wie es in einem auf Shepard verfassten Gedicht aus diesen Jahren heißt. Und hier, in
Saudi-Arabien, an der Küste des Persischen Golfes, 20.000 Meilen von Wyoming entfernt, war es, dass Matt Shepard für die Europäer endgültig zum „schwulen Marco Polo der Postmoderne“ wurde. Hatte Shepard nun die „Grenzen der Welt“ gefunden, oder auch nur die damaligen Grenzen der queeren Welt, er, der auch fließend Arabisch sprach?

Nun, er kehrte 1995 in die USA zurück, wo er ebenfalls zur Legende, ja zum Mythos wurde, aber unter völlig veränderten Vorzeichen. Der amerikanische „Mythos Shepard“ und der europäische stehen sich beinahe diametral gegenüber. Die Amerikaner sehen in diesem netten Jungen mit der Zahnspange das (fast) mythisch verklärte – stellvertretend für alle anderen queeren Schicksale dieser Art stehende – Opfer von queerfeindlicher Hasskriminalität: Im Oktober 1998 fiel Shepard an seinem damaligen Studienort Laramie (Wyoming, USA) einem feigen und hinterhältigen Mordanschlag zum Opfer. Sein Name wurde in den Folgejahren zum „Schlachtruf“ der US-amerikanischen Schwulen- und Queerbewegung. Doch darüber ging in der US-amerikanischen Öffent-
lichkeit der die „Grenzen der Welt“ für seine queeren Mitkombattanten suchende „Marco Polo der Postmoderne“, den die Europäer*innen noch immer im Herzen tragen, völlig verloren. Dieses Bild wurde von unzähligen Schichten einzig an dem Mord an Shepard orientierter Memoria derart überlagert, dass die individuelle Persönlichkeit Shepards in den USA praktisch komplett dem mehr oder weniger „anonmyen“ Mordopfer namens „Matthew Shepard“ gewichen ist. Während hingegen hier in Deutschland Shepard noch immer als der Kunstfreund, Kulturreisende und Orientfahrer bekannt ist, weiß kaum jemand, dass der in New York lebende Dramaturg und Schriftsteller Moisés Kaufman im November 1998 zusammen mit den Schauspieler*innen seiner Truppe nach Laramie reiste, wo die Theatermacher verschiedene Zeitzeugen interviewten. Daraus ist ein Theaterstück namens „The Laramie Project“ entstanden, in dem die Zeitzeugen zu Wort kommen.

„Entstanden ist auf diese Weise eine dokumentarische Annäherung an Laramie (Wyoming) und seine Bewohner unter dem Eindruck des Attentats auf eine bekannte Persönlichkeit queerer Geschichte“, wie es im Programmheft der Theatertruppe des Autonomen schwul trans*-queer-Referats heißt. Dieses Theaterstück – hier in Europa fast unbekannt – wurde am 29. 08. 2016 nach mehrwöchiger Probenzeit von der Theatergruppe des Referats im Amphitheater der Universität aufgeführt. Die Schauspielenden brachten dem Kasseler Publikum damit ein Stück Shepard-Memoria nahe, dass für fast alle Teilnehmenden – auch für die Zeitgenossen, die Shepard als Kulturreisenden seinerzeit noch kennengelernt hatten – völlig neu und überraschend war. Regie führte der durch viele Projekte an Landestheatern ausgewiesene Dramaturg Heiko Griesel. Die Veranstaltung dauerte etwa 2 Stunden. Das von Andreas Mohr aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte Stück bestand in der von der Theatertruppe des Referats gegebenen Fassung aus drei Akten. Als spielende Menschen waren Angehörige der Referatsgemeinde ebenso beteiligt wie Unterstützer*innen aus dem Lebensumfeld der Initiatoren.

Interessanterweise – und hier sind wir wieder an der Schnittstelle zwischen Kunst und Memoria – stellte die Theaterdarbietung den Auftakt zu einer fünf Veranstaltungen umfassenden Jubiläumsreihe anlässlich von Matt Shepards 40. Geburtstag am 01. Dezember diesen Jahres dar. Glücklicherweise verzichten sowohl die englischsprachige Originalfassung des Stücks von Moisés Kaufman als auch die deutsche Version, die uns auf der Bühne präsentiert wurde darauf, Matt Shepard als Person selbst darzustellen. Die drei Akte spannen viel mehr den Bogen über Interviews, die Moisés Kaufman mit Zeitzeugen vor Ort führte. Diese Redebeiträge – auf der Bühne von Griesel, der aus vielen eher dokumentarisch-starren Szenen noch viel Bewegung und Dramaturgie herausspielen kann, inszeniert – reflektieren, wie die Zeitzeugen vor Ort in Laramie damals (1998) mit dem Mord an Shepard umgegangen sind. Zu Wort kommen Shepard beste Freundin (gespielt von Marie Denecke), ein Radfahrer (gespielt von Lasar Säger), der den verletzten Matt am Weidezaun gefesselt vorgefunden hat (07. 10. 1998), eine Polizeibeamtin (gespielt von Ulrike Ripp), ein Barkeeper (gespielt von Regisseur Heiko Griesel), ein Pfarrer, diverse Bürgerinnen und Bürger der Stadt Laramie (so u.a. Martin Ebel als Taxifahrer). Wir wurden im festlich geschmückten Open-Air-Amphitheater der Universität Kassel (hinter dem K10) Zeugen eines beeindruckenden Spiels der Akteurinnen und Akteure, denen es überzeugend gelang, den doch oft spröde wirkenden Ablauf der einzelnen Interwiews durch bewegungschaffendes, teils schon fast humoristisch anmutendes Spiel (so, wenn ein katholischer Priester dem Moisés Kaufman allzu nah auf die Pelle rückt), aufzulockern und die Darstellung trotz des ernsten und traurigen Themas zu einem ästhetischen Genuss zu machen.

Das akribisch recherchierte Bühnenbild stellte eine originalgetreue Kopie der Stadtansicht von Laramie (Wyoming) dar. Auch die Kostüme waren liebevoll und mit dem Anliegen, den Zuschauenden die geistige und kulturelle Welt des amerikanischen Westens um das Jahr 2000 näher zu bringen, gestaltet. Ein Taxifahrer mit Westernhut, ein Priester im katholischen Trauertalar (sogar auf die lilafarbene Stola wurde geachtet!), die Polizeibeamtin in amerikanischer Polizeiuniform und der sportlich daher kommende Radfahrer unterstrichen das eindrucksvolle Spiel der Darstellenden. Als gelungen kann auch die Auswahl der Musikstücke bezeichnet werden, die wiederum die Präsentation des Theaterstücks als Ausdruck der amerikanischen Shepard-Memoria mit musikalischen Werken, die sich auf Shepard und seine Geschichte beziehen, verknüpfte. Seit 1998 gibt es eine Vielzahl von Liedern und Musikstücken über Shepard, die meisten aus den USA. Musikgrößen wie Elton John und Melissa Etheridge haben ihm eigene Songs gewidmet. Dass diese Lieder nun in den Pausen der Theaterdarbietung dem Publikum zu Gehör gebracht wurden, unterstreicht erneut, wie vielschichtig die Memoria Shepards weltweit ist, wie viele Interpretationen und unterschiedliche künstlerische Ansätze sie kennt und wie Shepard in jedem Puzzleteil seines kulturellen Nachlebens wieder anders gesehen und inszeniert wird. Der „Shepard“ Elton Johns ist ein anderer als derjenige von Moisés Kaufman und dieser wiederum ist ein anderer als der im deutschen Raum favorisierte „Marco Polo der Postmoderne“. Manchmal erscheint es fast, als hätte es so viele „Shepards“ wie Zeitzeugen oder Freunde gegeben, die sich im Nachhinein an ihn erinnern: Auch dies ist ein untrügliches kulturanthropologisches Merkmal für die Transformation einer Lebensgeschichte in den Bereich des Mythos. Hat also ein junger Mann wie Matt Shepard überhaupt jemals gelebt – also der Shepard des Theaterstücks, der Shepard der Musikstücke, der Shepard der verschiedenen Gemälde über ihn, der Shepard der europäischen Memoria des „schwulen Marco Polos“? – Natürlich nicht, ist man versucht zu sagen und doch wird man sich ständig selbst dabei ertappen, diese Frage auch jedesmal immer wieder mit einem klaren „Ja“ zu beantworten.

Wir erlebten also am Abend des 29. August im Rund des Amphitheaters der Uni –  von einem übrigens vorzüglichen Catering mit Getränken und Snacks versorgt – die Abfolge der auch schauspielerisch überzeugend umgesetzten drei Akte: „Moisés Kaufman (gespielt von Martin Thon) interviewt im ersten Akt nacheinander einen Taxifahrer, Matt Shepards beste Freundin, einen Studienfreund, den Radfahrer, den den schwerverletzten Matt fand, eine Polizeibeamtin und einen katholischen Priester. Im zweiten Akt treten Reporter auf und berichten über den Mordanschlag, das Krankenhaus, in dem Matt behandelt wurde, gibt medizinische Updates über seinen Zustand (glänzend gespielt von dem wirklich erschütterten Marc Enders!) und die Zuschauenden werden Zeugen seines Todes, aber zum Schluss des zweiten Aktes auch eines Quentchens Hoffnung“ (siehe hierzu das Programmheft der Aufführung vom 29. 08. 2016).

Während der erste Akt noch sehr spielerisch gestaltet wurde und die Darstellenden hierbei die ganze Rundbühne des Amphitheaters nutzten, legte Griesels kongeniale Regieführung den zweiten Akt bewusst dokumentarisch und mit weniger Bewegungsspielraum für die Schauspielenden an. Im dritten und abschließenden Akt schließlich wurde das Publikum Zeuge der Beerdigungszene Matt Shepards in seiner Geburtsstadt Casper, die durch einen glänzend und schauspielerisch sicher von Martin Thon verkörperten Hassprediger gestört wurde. Ein besonders bewegender Moment war erreicht, als Andreas Mohr in Gestalt von Matt Shepards Vater, Dennis Shepard, dessen Gerichtsrede vom November 1999 rezitierte. Mohr gab hierbei so viele persönliche Eigenschaften, Geschichten und Charkteristika Shepards zu Gehör, dass das Publikum in der Tat einen Eindruck seiner Person gewann – natürlich auch flankiert von bereits zuvor erfolgten
Aussagen über Matt und seine Geschichte von Seiten anderer Figuren des Theaterstücks. Und in diesem Sinne meint man am Ende der Theateraufführung tatsächlich Matt Shepard persönlich zu kennen, auch wenn er als dargestellte Person auf der Bühne nie erschien. Oder auch doch wieder nicht?

Das aus etwa 50 Personen bestehende Publikum spendete der Theatertruppe, die neben den eigentlich Spielenden auch Sascha Apazeller als Techniker, Jürgen Kröhle als Bühnenarbeiter und die Damen des Catering-Services umfasste, nach Beendigung der Aufführung intensiven Applaus. Am späteren Abend wurde das Rund des Amphitheaters von bunten Fackeln erhellt, die dem ganzen Abend zudem einen festlichen und für eine Gedenkveranstaltung anlässlich eines Jubiläums angemessenen Rahmen verliehen. Doch zurück zum Mythos! Wer war dieser dunkelblonde schlanke Junge wirklich? Vergegenwärtigt man sich die Fülle von kulturellen Würdigungen seiner Person und seiner Lebensgeschichte nach seinem Tod, die vielen Lieder, Gedichte, Gemälde, das
Theaterstück – es existiert sogar ein Hörspiel in deutscher Sprache -, so ergeben sich soviele unterschiedliche Shepard-Bilder, dass es den Anschein hat, dass Shepard, wenn man eine Facette seiner Persönlichkeit erfasst zu haben glaubt, sich wieder in eine Fülle von neuen Aspekten auflöst, die zuvor noch gar nicht im Blickfeld gewesen waren. Aber vielleicht ist Shepard für viele Schwule, gerade auch junge, eben wegen dieser Vielseitigkeit seiner Person und Memoria noch immer eine frische Quelle der Inspiration. Als gesicherte Gewissheit über Shepard lässt sich daher nur Folgendes festhalten: Der Amerikaner Matt Shepard zog von Wyoming aus in den fernen Osten und wurde dort zur Legende. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde er 1998 in Laramie ermordet. Alles andere ist Interpretation – oder eben Mythos.

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