Liebe Menschen,

ich heiße euch herzlich willkommen zu unserer heutigen Veranstaltung. Wir feiern heute den 40. Geburtstag von Matthew Shepard, einem Studenten aus Wyoming, USA. Den hätte er selbst erleben können, wenn er nicht 1998 einem Hassverbrechen zum Opfer gefallen wäre. Es geschah, weil er offen homosexuell war. Sowohl diese Tatsache, als auch die Besonderheit, dass er damals bei uns zu Besuch war und einzelne von uns Anwesende ihn sogar noch persönlich kennengelernt haben, war der Grund für unsere diesjährige Veranstaltungsreihe, die unter anderem mit der Theateraufführung „The Laramie Project“ begangen wurde.

Mit dem Beispiel von Matthew Shepard sollen die Menschen für die Folgen von Diskriminierung und der Verbreitung von Hass gegen bestimmte Menschengruppen sensibilisiert werden. Es gibt noch viele weitere Beispiele, wie Rita Hester, die etwa einen Monat nach Matthew Shepard aufgrund ihrer Transsexualität, womöglich auch aus rassistischen Motiven, ermordet wurde. Aus ihrem Gedenken resultierte der Transgender Day of Remembrance (TDOR), der an jedem 20. November stattfindet.

In der Gesellschaft sind Homo- und Transfeindlichkeit immer noch weit verbreitet, weltweit. Sie werden von der Bevölkerung und oft auch vom Staat verfolgt. Politische Parteien und religiöse Gruppen hetzen die Bevölkerung auf. In manchen Ländern werden Todesstrafen gegen Homosexuelle verhängt. Queere Menschen fallen weltweit immer wieder Morden zum Opfer. Oft haben es Transsexuelle noch schwerer als Homosexuelle. Das gilt in Deutschland auch für den rechtlichen Bereich, wo u.a. mit dem Transsexuellengesetz (TSG) große Hürden für die Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung existieren. Zugleich werden Intersex-Menschen schon kurz nach ihrer Geburt an ein binäres Geschlecht zwangsangepasst. Wir haben die Pflicht, die Gesellschaft über diese Dinge aufzuklären und für eine gesellschaftliche Akzeptanz aller Menschen und ihren unterschiedlichen Lebensformen zu sorgen. Und das über Ländergrenzen hinweg.

Der 1. Dezember steht allerdings auch im Zeichen des Welt-Aids-Tages. Zu Beginn der 80er Jahre hat sich das HI-Virus weltweit verbreitet und ist noch heute eine unheilbare Krankheit. Dank der medizinischen Forschung können Infizierte mittlerweile so gut behandelt werden, dass sie jahrzehntelang ohne den Ausbruch von Aids, der meist tödlich verlaufenden Folgekrankheit von HIV, leben können. Dabei können auch die Virenkonzentrationen im Körper reduziert werden, was die Ansteckungsgefahr erheblich senkt. Mit Kondomen und seit kurzem auch PrEP können sich HIV-Negative vor einer Ansteckung schützen. Obwohl eigentlich allgemein bekannt sein sollte, wie HIV übertragen werden kann und vor allem wie es nicht übertragen werden kann, werden HIV-Positive gesellschaftlich ausgegrenzt und diskriminiert, verlieren ihren Arbeitsplatz und ihre Freunde. Es scheint heute immer noch ein Tabu zu sein. Eine tabuisierte Lebensweise erhöht statistisch die Ansteckungsgefahr. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und nicht offen homosexuell leben, gehen seltener zu HIV-Tests. Da kommt es aber zu den meisten Neuinfektionen. Dabei herrscht immer noch das Vorurteil vor, HIV befalle nur Homosexuelle, was natürlich Quatsch ist.

In Afrika wird von religiösen Gruppen gegen die Benutzung von Kondomen Stimmung gemacht. Der Anteil an HIV-Positiven und Aids-Toten ist aber auf diesem Kontinent am größten. Nur mit einer weltweiten Aufklärung und Versorgung mit modernen Medikamenten kann die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden. Da gibt es noch viel zu tun.

Wir möchten nun allen Opfern von Hassverbrechen, den Opfern von Ausgrenzung und Stigmatisierung, welche leider oft im Suizid enden sowie den Opfern von HIV, ob durch die Folgen der Krankheit selbst oder durch Verfolgung, in einer Schweigeminute gedenken.

 

[Schweigeminute im AST*QR]

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An dem heutigen Info-Abend gibt es an den Stellwänden die Ausstellung „Auf den Spuren von Matt Shepard“ Informationen über Matthew Shepard und an den Fenstern hängen aktuelle Information über HIV. Zu HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten haben wir verschiedene Broschüren zur Mitnahme ausgelegt. Anlässlich zur Feier von Matt Shepards 40. Geburtstag haben wir außerdem ein Buffet vorbereitet, welches ich hiermit eröffne.

 

 

"Auf den Spuren Matt Shepards"
Ausstellung „Auf den Spuren Matt Shepards“ vom 01.12.2016

 

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HIV-Infos u.a. mit Statistiken zur Verbreitung und FAQs über PReP

 

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